Förderkreis für intensivpflegebedürftige Kinder Ulm e.V.

 

 

Südwest-Presse, 26.09.2001

BENEFIZ / ¸¸Kleiner Muck'' ist am Ziel
Ohne Rütteln in die Klinik
DRK übernimmt Intensivtransporter


Nach 18 Monaten hat die Ulmer Spendeninitiative ¸¸Der kleine Muck'' ihr Ziel erreicht. Der Intensivtransporter für schwerkranke Kinder nimmt seinen Betrieb auf.

CHRISTOPH MAYER

Als Thomas Thurm und Mathilde Maier Anfang vergangenen Jahres die Hilfsaktion ¸¸Der kleine Muck'' ins Leben riefen, hatten viele dafür nur ein mildes Lächeln übrig. Rund 400000 Mark wollten der Vorsitzende des Vereins Ulmer Herzkinder und die Leiterin des Förderkreises für intensivpflegebedürftige Kinder sammeln, um einen Intensivtransporter für Kinder und ein modernes Ultraschallgerät kaufen zu können.

Die Skeptiker hatten die Rechnung ohne Maier und Thurm gemacht. Beide gewannen die Städte Ulm/Neu Ulm sowie die Landkreise Alb-Donau und Neu-Ulm als Paten, auch prominente Sportler wie der Radrennfahrer Rolf Gölz gaben ihren Namen für die gute Sache her. Kurzum: Nach zähem Beginn geriet die Aktion zum Selbstläufer. Mehr als 150 Vereine beteiligten sich mit Benefizveranstaltungen, und das Geld strömte: von den 12,50 Mark Taschengeld einer Ulmer Schülerin bis zur 70000 Mark-Großspende (36000 Euro) der hiesigen Daimler-Chrysler Niederlassung. Insgesamt kamen rund 526000Mark (269 000 Euro) zusammen.

¸¸Die Klinikversorgung für schwerkranke Kinder und Frühgeborene lässt in Deutschland wenig zu wünschen übrig'', sagt Mathilde Maier. ¸¸Die Schwachstelle liegt im Transport.'' Denn Kinder - Frischoperierte und Neugeborene allemal - sind extrem stoßempfindlich. Erschütterungen können im schlimmsten Fall Gehirnblutungen auslösen, die das Kind auf Dauer zum Pflegefall machen.

Gestern hatten Maier und Thurm ihr Ziel erreicht. Auf dem Münsterplatz übergaben sie den rund 500000 Mark teuren (weil absolut stoßsicheren) Krankenwagen dem Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes, der die Finanzierung des serienmäßigen rund 180000 Mark teuren Anteils (also alles, außer dem Innenausbau) übernommen hatte. Münsterpfarrer Ulrich Hermann und der katholische Dekan Josef Kaupp erteilten dem Fahrzeug die ökumenische Weihe.

Mehr Geld als benötigt

Weil bei der Spendenaktion mehr Geld als ursprünglich benötigt zusammenkam, reichte es auch noch für ein spezielles Ultraschallgerät für die Kinderklinik. Der weitere Überschuss (rund 100000 Mark) soll in neue Pflegebetten für die Kinderklinik investiert werden, sagt Maier. Einziger Wermutstropfen: Wegen der komplizierten Spezialfederung ist das Rettungsfahrzeug zurzeit noch nicht einsatzfähig. Bis zur endgültigen Fertigstellung werden nach Angaben Maiers noch vier bis fünf Wochen vergehen.

¸¸Das Fahrzeug wird allein im Ulmer Stadtgebiet zweimal pro Tag eingesetzt werden'', prognostiziert Dr. Burkhard Dirks, Leiter der Sektion Notfallmedizin der Ulmer Uni - hauptsächlich für Verlegungsfahrten zwischen den einzelnen Kliniken. Doch auch die Region soll von dem High-Tech-Krankenwagen profitieren. Das Einzugsgebiet umfasst den gesamten Raum zwischen Aalen und dem Bodensee, für den die Ulmer Uni-Klinik das einzige Krankenhaus mit Optimalversorgung ist.

 


Der große Muck KOMMENTAR
CHRISTOPH MAYER

Was haben Göppinger Handballer, kickende Ulmer Ärzte, singende Neu-Ulmer Chorknaben und strickende Nersinger Hausfrauen gemeinsam? Alle, um nur vier von fast 150 Beispielen zu nennen, haben mit ihren jeweiligen Benefizaktionen den ¸¸kleinen Muck'' groß werden lassen. Was zunächst kaum einer für möglich gehalten hätte: Mehr als 500000 Mark kamen binnen 18 Monaten für einen stoßsicheren Spezialtransporter für schwer kranke Kinder zusammen. Wenn das kein Beweis für bürgerschaftliches Engagement ist.

Dass die Aktion nach einem zähen Start doch noch zum Selbstläufer wurde, ist zuallererst der Verdienst der Initiatoren Thomas Thurm und Mathilde Maier. Beide haben das Projekt im wahren Wortsinn mit Herzblut betrieben. Es gab so gut wie keine Benefizveranstaltung, auf der die beiden nicht persönlich anwesend waren. Und während der ganzen Zeit spielten Thurm und Maier mit offenen Karten, indem sie über den aktuellen Spendenstand informierten - auch, als die ursprünglich gesetzte Messlatte von 400000 Mark schon längst überschritten war.

Die überwältigende Bereitschaft zum Spenden zeigt: Benefizaktionen erfreuen sich immer dann großen Zuspruchs, wenn sie einem ganz konkreten Ziel dienen. Und sie beweist, dass die Region allen Kreis- und Ländergrenzen zum Trotz zusammensteht, wenn es darauf ankommt.

 

 

 

 


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